„Wir machen Ihnen ein Angebot, zu dem Sie nicht „Nein“ sagen können“ …. Und wirklich, wir konnten nicht „Nein“ sagen.

Es war eins dieser Reiseangebote, die normalerweise sofort im Papierkorb landen, weil man als kritisch denkender Mensch überzeugt ist, dass das ja nur Nepp sein kann. Mit dem Absender, dem Reiseunternehmen RSD, waren wir jedoch schon im Dezember des vergangenen Jahres in Nordzypern und der Türkei unterwegs gewesen. Und das war damals good value for your money. Und so buchte ich zehn Minuten nach Öffnen des RSD-Schreibens Folgendes:

  • Tag 1-7: „Studienreise Kappadokien“ für 99 Euro pro Person
  • Tag 8-15: „Erholung im exklusiven 5-Sterne-Luxushotel an der Türkischen Riviera“ gratis
  • „Kultur- & Genusspaket Studienreise“ (beinhaltet für die Studienreise alle Eintrittsgelder und die Abendessen) für 129 Euro pro Person

Diese günstigen Preise gelten nur für gewisse Zeiträume, aber da wir zeitlich nicht gebunden sind, können wir hier zuschlagen.

Kappadokien steht schon seit langem auf unserer Wunschliste, und die Idee, vor dem Winterbeginn noch etwas Sonne zu tanken und vielleicht sogar im Meer zu baden, war doch sehr verlockend. Und so fliegen wir am 14. November von Nürnberg nach Antalya.

Wo liegt Kappadokien

Samstag, 14. November
Wir haben tagsüber noch genug Zeit, unsere Koffer zu packen. Unser Flug geht erst abends um 19:20 Uhr. Schön, dass wir von Nürnberg aus fliegen können. Wir lieben diesen kleinen übersichtlichen Flughafen, der ja seit einiger Zeit Albrecht Dürer Airport heißt. Wir fliegen wieder einmal mit Sun Express, einer Tochtergesellschaft von Lufthansa und Turkish Airlines. Wir hätten ja gedacht, dass man den Abstand zwischen den Sitzreihen nicht noch weiter verringern kann, aber das ist wohl ein Irrtum. Personen mit über 1,80 Meter Körpergröße scheinen inzwischen von der Mitnahme ausgeschlossen zu sein. …
Aber heute ist unser Glückstag. Nachdem wir uns eigentlich schon an das Ölsardinendasein gewöhnt haben fragt uns eine Stewardess, ob wir Englisch sprächen und ob wir bereit wären, in diesem Fall auf den Sitzen am Notausgang Platz zu nehmen. Wir nicken und werden daraufhin zu den dort befindlichen Extra-large-Sitzen geleitet. Wow. Plötzlich haben wir einen Meter Abstand bis zur Lehne des Vordermanns und haben drei Sitze für uns. Normalerweise muss man für diese Sitzplätze bezahlen, und zwar stolze 40 Euro pro Person und Strecke.
Bezahlen muss man bei Sun Express inzwischen auch für jedes Krümelchen zu essen und jedes Schlückchen zu trinken. Nachdem wir gerade so viel Geld gespart haben, können wir uns zwei Fläschchen von dem recht guten Angora-Rotwein leisten. Lachsbrötchen haben wir uns in weiser Voraussicht beim Beck im Flughafen besorgt.

In Antalya angekommen bringen wir so schnell wie noch nie die Passkontrolle hinter uns. Ob das daran liegt, dass in Antalya derzeit der G20-Gipfel stattfindet? Man will sich ja im besten Licht präsentieren. Ich wähle das falsche der wenigen Wörter Türkisch, die ich beherrsche, und grüße den Beamten mit einem zeitlich unangebrachten aber herzlichen „günaydın“ (Guten Morgen). Er grüßt schmunzelnd mit günaydın zurück und fügt ein freundliches hoşgeldiniz (willkommen) hinzu. Ich mag sie, die Türken.

Anschließend sammelt sich die RSD-Gruppe im Reisebus; 42 Personen sind wir. Wir lernen unseren Reiseleiter kennen – Hayrettin heißt er – und dann geht es über Belek (hier findet der G20-Gipfel statt und deshalb ist die vierspurige Schnellstraße bis hier halbseitig gesperrt und es geht entsprechend langsam voran) nach Side, wo unser erstes Hotel liegt. Obwohl es schon nach Mitternacht ist, bekommen wir hier noch eine Kleinigkeit zu essen. Sehr zuvorkommend vom Personal des Hotels Saray Residence. Auch unser Zimmer gefällt uns gut.

Sonntag, 15. November
Den heutigen Tag haben wir zur freien Verfügung. Die meisten Mitreisenden haben heute Morgen noch das Zusatzpaket „Entdecker“ gebucht. Darin sind die Mittagessen während der ersten Woche enthalten und außerdem der heutige Ausflug nach Aspendos, eine Veranstaltung mit den tanzenden Derwischen und ein „kappadokischer Abend“. Uns wäre das zuviel des Gruppendaseins. Wir freuen uns auf eine Mittagspause, die wir fern der Gruppe verbringen können. Irgendwas zu Beißen werden wir dann schon finden. Und abends noch Programm ist uns auch zu viel. Aspendos mit seinem römischen Theater – es gilt als das besterhaltene Kleinasiens – ist zwar einen Besuch wert, aber diese antike Stätte haben wir früher schon mal auf eigene Faust erkundet.
Nachdem wir morgen den ganzen Tag im Bus verbringen werden, kommt uns dieser freie Tag gerade recht. Wir erkunden in aller Ruhe die Umgebung des Hotels. Es gibt in der Nachbarschaft eine Straße mit allen möglichen Geschäften. Nichts wirklich Interessantes, außer man ist an den gefakten internationalen Marken interessiert. Wir sind immun gegen sowas. Was wir aber gerne machen, ist frisch gepressten Granatapfelsaft trinken.

Es gibt frisch gepressten Granatapfelsaft
Es gibt frisch gepressten Granatapfelsaft

Wir laufen den Strand entlang. Ein Hotel nach dem anderen, aber die meisten sind schon im Winterschlaf. Die schattenspendenden Abdeckungen sind abgenommen, die Liegen verstaut, selbst die kleinen Katzen verbreiten eine Stimmung von Fin de Saison. Aber die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel und das Meer ist noch vielversprechend warm. Da freuen wir uns schon jetzt auf die Anschlusswoche.
Als uns zu Mittag der kleine Hunger ereilt, freuen wir uns, dass es in dem einzigen kleinen Restaurant in dieser Geschäftsstraße wenigstens noch ein abgespecktes Angebot an Eßbarem gibt. Wir werden nett von dem freundlichen Herrn bedient, der uns am Vormittag mit dem frisch gepressten Granatapfelsaft versorgt hat. Wir haben heute aber auch erkannt, wie destruktiv sich die All-inclusiv-Mode auf die kulinarische Landschaft auswirkt. Wo es früher noch viele kleine Restaurants oder Imbissbuden gab, ist heute Wüste. Der Betrieb eines Restaurants lohnt sich nicht, wenn die Touristen die Hotels nur noch zum Kaufen von Souvenirs und billiger Mode verlassen. Schade.

Montag, 16. November
Frühmorgens steigen wir in unseren Bus. Ömer, der Busfahrer, wird uns heute die ca. 500 km bis nach Avanos in Kappadokien kutschieren.

Route Side - Avanos (Quelle: google maps
Route Side – Avanos (Quelle: google maps

Wir fahren auf der neu ausgebauten Straße durch das faszinierend schöne Taurus-Gebirge. Der höchste Pass auf unserer Route ist der Alacabel-Pass auf 1.825 Metern Höhe. Als wir kurz danach eine Pause einlegen, merken wir erst, dass es hier oben doch empfindlich kalt ist. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht auf dem zu Eis gefrorenen Wasser eines Springbrunnens ausrutschen. Die Raststation hier – wie auch diejenigen, die wir später anfahren werden – sind mit vorzüglichen Toilettenanlagen versehen. Sie sind sehr sauber, und es können innerhalb kurzer Zeit ganze Busladungen abgefertigt werden. Schlangestehen vor den Toiletteneingängen kennt man hier nicht.

Gegen Mittag kommen wir in Konya an. Konya ist mit ca. 2 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Türkei und liegt auf 1.200 Metern Höhe in der geographischen Mitte Anatoliens. Hier erwartet uns mit dem Besuch des Mevlana-Klosters, dem Ursprung des Ordens der Tanzenden Derwische, ein erster Höhepunkt unserer Studienreise. Das Kloster ist heute ein Museum, wird aber von vielen Türken noch als Ort des Gebets genutzt.

Das Grab von Mevlana Celaleddin Rumi, dem Gründer des Ordens, liegt unter der türkisen Kuppel; siehe folgendes Foto.

Mevlana-Kloster - Rückseite
Mevlana-Kloster – Rückseite

Hier noch einige Eindrücke vom Kloster.

Konya - Mevlana-Kloster
Konya – Mevlana-Kloster
Konya - Mevlana-Kloster
Konya – Mevlana-Kloster
Konya - Mevlana-Kloster - Das Grabmal von Celaleddin Rumi
Konya – Mevlana-Kloster – Das Grabmal von Celaleddin Rumi
Konya - Mevlana-Kloster
Konya – Mevlana-Kloster
Konya - Mevlana-Kloster
Konya – Mevlana-Kloster

Neben dem Museums-Shop gibt es ein kleines Café, in dem Angela und ich vorab etwas gegen den mittäglichen Hunger finden, und auch hier kann man sich frischen Saft aus Granatäpfeln pressen lassen. Nebenbei erzählt: Die Mitreisenden waren mit dem Essen, das sie später im Rahmen der des gebuchten Pakets bekamen, gar nicht zufrieden. 😉

IMG_1621 Türkei Nov. 15 - Konya - Mevlana-Kloster - Blume

Nach dem Besuch des Klosters fahren wir in die Nähe der Universität, wo das Mittagessen für den Teil der Gruppe stattfindet, die das entsprechende Paket gebucht haben. Zehn Mitglieder, darunter wir, schlagen sich jeweils auf eigene Faust durch.

Anschließend geht es durch die topfebene Anatolische Hochebene über 150 km fast schnurgerade nach Aksaray und dann noch mal 100 km nach Avanos in Kappadokien.

Die flache Anatolische Hochebene
Die flache Anatolische Hochebene

Entlang dieser ziemlich öden Strecke verlief früher eine Karawanenroute, und so sieht man auch hier und da noch mehr oder weniger gut erhaltene Karawansereien. An einer davon – frisch renvoviert und heute mit Verkaufsständen und einem Café bestückt – machen wir Station.

Karawanserei in der Nähe von Aksaray
Karawanserei in der Nähe von Aksaray

Von hier sieht man auch sehr schön den Vulkan Hassan (türkisch Hasan Dağı), einen der Vulkane, denen die Landschaft Kappadokiens ihre heutige Gestalt verdankt.

Der Vulkan Hassan
Der Vulkan Hassan

Unser Reiseleiter Hayrettin hatte im Laufe des Vormittags gefragt, wer denn in Kappadokien eine Ballonfahrt machen wolle. Mein großer Traum soll endlich in Erfüllung gehen: Schon seit Jahren möchte ich mal in einen Heißluftballon steigen. Nun ist es soweit. Wenn schon in Kappadokien, dann unbedingt auch eine Ballonfahrt. Auch Angela überwindet ihre Höhenangst und willigt ein. Mit uns melden sich noch sieben weitere Mitglieder der Reisegruppe. Hayrettin hat seine Agentur verständigt und erklärt nun, dass wir morgen früh um halb sechs am Hotel abgeholt werden. Tja, das Opfer des frühen Aufstehens muss wohl gebracht werden, und die 150 Euro pro Person.

Das Hotel Altinyazi in Avanos ist nicht so unsere Kragenweite. Das Zimmer ist klein und abgewohnt, aber für drei Nächte wird es schon gehen. Wir drehen zuallererst die Heizung ab und reißen die Fenster auf. Hier hat es zwar derzeit nachts so um die minus 4 Grad, aber die 21 Grad Zimmertemperatur sind uns zum Schlafen einfach zu viel.

Dienstag, 17. November

Kappadokien (Quelle: google maps)
Kappadokien (Quelle: google maps)

Um kurz vor fünf Uhr klingelt das Handy. Wir hätten ja sooo gerne noch etwas geschlafen. Aber wat mutt dat mutt. Überpünktlich werden wir von einem Kleinbus abgeholt und rumpeln über Feldwege zu der Stelle, an der unser Ballon starten wird. Unterwegs sehen wir viele weitere Ballons, die alle mit großen Ventilatoren mit Luft gefüllt werden. Schließlich kommen wir an. Wir sehen zwei Ballons der Firma Sultan Balloons, die nebeneinanderliegend gerade „aufgeblasen“ werden. Die Scheinwerfer eines Begleitfahrzeugs beleuchten einen Tisch, auf dem Kaffee und Kuchen auf uns warten. Wir bedienen uns und ich mache schon mal fleißig Fotos und Filmchen. Wir sind allesamt mächtig aufgeregt, stehen richtiggehend unter Strom. Als die Ballons eine gewisse Schräglage erreicht haben, nehmen die Piloten die Brenner zuhilfe, um die Ballons ganz aufzurichten. Weiter entfernt sehen wir Ballons, die hier schon etwas weiter fortgeschritten sind.

DSC06873 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Ballonfahrt

IMG_1632 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Ballonfahrt

Schließlich ist auch der unsrige einstiegsbereit. Es stellt sich heraus, dass es gar nicht so einfach ist, in den Korb zu kommen. Glücklicherweise sind wir noch nicht in einem körperlichen Zustand, wo der Einstieg wirklich schwierig, wenn nicht unmöglich ist. Unsere Gruppe von neun Personen besetzt die eine Hälfte des Korbs, eine andere Gruppe die andere, und in der Mitte steht Serkan, unser Pilot. Der macht einen sehr sympathischen und vertrauenswürdigen Eindruck. Aber irgendwie verdrängt eh die Faszination dessen, was wir da gerade erleben jegliche Ängste. Man kann da wirklich von Euphorie sprechen.

DSC06880 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Ballonfahrt

Ja, und hoch geht es. Es ist zwar kalt – irgendwas unter null Grad -, aber wir spüren die Kälte nicht. Wir sind einfach nur begeistert.

DSC06907 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Ballonfahrt

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IMG_1684 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Ballonfahrt

IMG_1686 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Ballonfahrt - Blick auf Uchisar

DSC06966 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Ballonfahrt - Blick auf Uchisar

IMG_1698 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Ballonfahrt - Blick auf Uchisar

Was für eine wunderschöne und faszinierende Landschaft! Wir sind hin und weg. Nur leider wird nichts aus dem Sonnenaufgang, den wir uns erhofft haben. Es wäre interessant gewesen, das durch die tiefstehende Sonne und all die Tuffpyramiden und Feenkamine entstehende Schattenspiel am Boden zu sehen und natürlich zu fotografieren. Außerdem hätte uns die Sonne vielleicht ein bisschen gewärmt. Auf dem höchsten Punkt unserer Fahrt – Serkan spricht von 1.000 Metern über dem Boden – wird uns nämlich doch etwas kalt an den Füßen.

Nach circa einer Stunde nähern wir uns dann dem Boden. Wir nehmen die uns vor dem Start beschriebene Landeposition ein und machen uns auf das Schlimmste gefasst. Aber Serkan bekommt eine perfekte Landung hin, wir bekommen lediglich ein paar Krümel vom aufspritzenden Ackerboden in die Haare. Nachdem wir alle ausgestiegen sind, werden wir mit ein paar Spritzern Sekt – denen wir geschickt ausweichen – getauft und bekommen unsere Ballonfahrer-Urkunden.

Pilot Serkan und seine Boden-Crew
Pilot Serkan und seine Boden-Crew

Pünklich zum Frühstück sind wir wieder im Hotel, erzählen von unserem Abenteuer und freuen uns darauf, etwas später die tolle Landschaft von unten bewundern zu dürfen.

Und dann geht es auch schon los. Wo man geht und steht, in Kappadokien, überall bietet einem die Natur wunderschöne Eindrücke. Und um jede Ecke sieht es anders aus. Ein Paradies für Fotografen, und es fällt mir schwer, für diesen Blog-Beitrag Fotos auszuwählen. Einen Schritt weiter und die Landschaft bietet einen ganz anderen Eindruck, und jeder wäre es wert, wiedergegeben zu werden.

Blick über Göreme
Blick über Göreme
Zimmer einer in den Tuff gehauenen Behausung in Ortahisar
Zimmer einer in den Tuff gehauenen Behausung in Ortahisar

Bei Göreme gibt es ein Freilichtmuseum, das zum Welterbe der UNESCO gehört. Hier findet sich auf relativ kleiner Fläche eine Vielzahl von in das Tuffgestein gegrabenen Kirchen, Kapellen, Klosterzellen, Küchen, Ställen, etc. Interessant sind die Fresken in diesen Kirchen. Oft sind sie allerdings nicht besonders gut erhalten.

Göreme - Freilichtmuseum - Teil unserer Reisegruppe
Göreme – Freilichtmuseum – Teil unserer Reisegruppe
Göreme - Freilichtmuseum
Göreme – Freilichtmuseum
Göreme - Freilichtmuseum
Göreme – Freilichtmuseum
Göreme - Freilichtmuseum - ein Refektorium - auch der Tisch und die Bank sind aus dem Tuff gehauen
Göreme – Freilichtmuseum – ein Refektorium – auch der Tisch und die Bank sind aus dem Tuff gehauen
Göreme - Freilichtmuseum
Göreme – Freilichtmuseum
Göreme - Freilichtmuseum
Göreme – Freilichtmuseum

Dann ist es mal wieder Zeit für das Mittagessen. Die Gruppe nimmt es in einem riesigen Restaurant ein, das extra für die „Abfüllung“ von Busladungen geschaffen wurde. Wir hingegen gehen um die Ecke und treffen auf ein Restaurant, in dem anscheinend auch die Geschäftsleute des Ortes zu Mittag essen. Angela bestellt Chicken, und ich ein Adana Kebap. Wir sind vom tollen Service und von der Qualität der Speisen begeistert. Der Lammfleischspieß erinnerte mich an das Tschelo Kabab, das ich in meiner Jugend im Iran so oft gegessen habe. Das wird dort mit dem Fleisch des Fettschwanzhammels zubereitet. Ich frage den Ober, was das denn für Fleisch sei. Vom Fettschwanzhammel, sagt er.

Unser Mittagessen
Unser Mittagessen

Es erübrigt sich fast, zu erzählen, dass unsere Gruppe auch diesmal mit i h r e m Essen nicht zufrieden war.

Am Nachmittag steht noch der Ort Çavuşin auf dem Programm. Von der den Ort überragenden Felswand hat man einen tollen Blick in die Umgebung. Auf dem folgenden Foto ist die Stelle zu sehen, an der 1963 ein Teil des ausgehöhlten Felsens eingestürzt ist.

Çavuşin
Çavuşin
Çavuşin
Çavuşin
Çavuşin
Çavuşin
Çavuşin
Çavuşin
Çavuşin
Çavuşin

Nun geht es zurück ins Hotel. Angela ist rechtschaffen müde und ruht sich aus. Mich zieht es noch mal hinaus. Ich möchte den Ort Avanos, in dem unser Hotel steht, ein bisschen erkunden. Die Gegend, in der das Hotel liegt, ist relativ uninteressant, aber da muss es doch noch eine Art von Zentrum geben. Ich finde denn auch ein paar sehr schöne Ecken.

Avanos liegt am Fluss Kızılırmak, dem mit 1.355 km längsten ausschließlich durch die Türkei fließenden Fluss.

Avanos
Avanos
Avanos
Avanos
Avanos
Avanos

Mittwoch, 18. November
Nach dem Frühstück steht der Besuch einer Teppichherstellung auf dem Programm. Tja, irgendwie muss der günstige Reisepreis ja zustande kommen. Diese Reisen werden vom Staat subventioniert und außerdem von Teppich-, Schmuck- und Lederwarenherstellern. So ein Besuch ist nicht schlimm; die Verkäufer, die sich nach einer Informationsrunde auf einen stürzen, sind nicht wirklich aufdringlich. 🙂 Nach einer Stunde sitzen wir wieder im Bus und wenden uns erneut den landschaftlichen Höhepunkten Kappadokiens zu.
Wir besuchen zuerst ein Dorf, in dem man eine unterirdische Wohnanlage besichtigen kann. In Kappadokien hat man unterirdische Städte für Tausende von Menschen entdeckt. Unsere Anlage ist von der kleineren Art. So wie Angela ihre Höhenangst überwunden hat, überwinde ich meine Klaustrophobie und stürze mich ins Abenteuer. Der Besuch ist für mich machbar. Ich habe meist viel Raum um mich, nur in den Zwischengängen wird es etwas eng.

DSC07415 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Dorf mit unterirdischem Bereich

DSC07392 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Dorf mit unterirdischem Bereich

DSC07384 Türkei Nov. 15 - Kappadokien - Dorf mit unterirdischem Bereich

Wir kommen alle heil wieder aus der unterirdischen Anlage heraus. Anschließend geht es in das Taubental. Es hat seinen Namen von den vielen in den Tuff geschlagenen Taubenschlägen. Der hier gesammelte Taubenmist diente als Dünger.
Von unserem Aussichtspunkt hat man einen herrlichen Blick auf den Ort Uçhisar.

Taubental - nomen est omen
Taubental – nomen est omen
Taubental - Blick auf Uçhisar
Taubental – Blick auf Uçhisar
Blick auf Uçhisar
Blick auf Uçhisar

Und weiter geht es, von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt.

Bei Uçhisar
Bei Uçhisar
Es gibt mal wieder frisch gepressten Granatapfelsaft
Es gibt mal wieder frisch gepressten Granatapfelsaft
Ein Kamel mit vielen Höckern
Ein Kamel mit vielen Höckern

Von unserem nächsten Aussichtspunkt blicken wir über Göreme und sehen im Hintergrund den Vulkan Erciyes Dağı. Ein wunderschöner Vulkan, 3.917 Meter hoch, der zusammen mit dem Hasan Dağı die Tuffsteinlandschaften Kappadokiens geschaffen hat.

Göreme, im Hintergrund der Vulkan Erciyes Dağı
Göreme, im Hintergrund der Vulkan Erciyes Dağı
Göreme, im Hintergrund der Vulkan Erciyes Dağı
Göreme, im Hintergrund der Vulkan Erciyes Dağı

Das Mittagessen der Reisegruppe findet heute mitten im geschäftigen Ort Göreme statt. Das kommt uns entgegen, denn es gibt hier einige Restaurants. Wir finden ein kleines uriges und essen recht gut. Und wiederum hören wir anschließend von den anderen, dass sie gar nicht so wirklich zufrieden waren, mit dem, was man ihnen vorgesetzt hat.

In unserem Restaurant in Göreme
In unserem Restaurant in Göreme

Am Nachmittag werden uns ein letztes Mal wunderschöne Blicke auf die überaus faszinierende Landschaft Kappadokiens geboten. Morgen geht es zurück an die Küste.

IMG_1963 Türkei Nov. 15 - Kappadokien

IMG_2006 Türkei Nov. 15 - Kappadokien

IMG_2024 Türkei Nov. 15 - Kappadokien

IMG_2061 Türkei Nov. 15 - Kappadokien

Donnerstag, 19. November
Fahrt zurück an die Küste auf der selben Route wie auf der Herfahrt. Wir übernachten im Hotel Vera Verde Resort in Belek. In unmittelbarer Nähe zum Hotel haben sich ein paar Tage zuvor die Staats- und Regierungschefs zum G20-Gipfel getroffen.

Freitag, 20. November
Heute stehen der Besuch einer Schmuckverkaufsstelle und der eines Lederwarenherstellers auf dem Programm. Bringen wir ohne mit der Wimper zu zucken hinter uns. Dazwischen gibt es Mittagessen in einem kleinen Restaurant am Lara-Strand nahe Antalya.
Süß, die beiden Kätzchen, die auf der Linse des Fotosapparats etwas entdecken, was ihnen spanisch vorkommt.

DSC07726 Türkei Nov. 15 - TierDSC07732 Türkei Nov. 15 - Tier

Am späteren Nachmittag können wir für einige Stunden die Altstadt von Antalya auf eigene Faust erkunden.

Antaya - Altstadt mit dem kannelierten Minarett
Antaya – Altstadt mit dem kannelierten Minarett

Wir kennen uns dort inzwischen ja recht gut aus und wissen, was wir tun und sehen wollen. Zuerst einmal kaufen wir im Basar Koriander. Den brauchen wir zum Würzen des Brotes, das wir ja hin und wieder gerne selber backen. Dann begeben wir uns durch das Hadrianstor in den sympathischen ältesten Teil der Altstadt.

Antalya - Hadrianstor
Antalya – Hadrianstor

Immer mehr der alten Häuser werden stilvoll restauriert.

Antalya - Altstadt
Antalya – Altstadt

Wir setzen uns in den Garten eines Restaurants, von dem aus wir einen schönen Blick auf den Hafen und auf die untergehende Sonne haben. Herrlich, die Schattierung des Taurus-Gebirges im Hintergrund.

Antalya - Blick auf den Hafen
Antalya – Blick auf den Hafen
Antalya - Blick auf das Taurus-Gebirge
Antalya – Blick auf das Taurus-Gebirge
Antalya - Blick auf den Hafen
Antalya – Blick auf den Hafen

Die Straßenbahn, die die Stadt Nürnberg ihrer Partnerstadt Antalya im Jahr 1999 geschenkt hat (nachdem sie hier ausgemustert worden war), verrichtet unverdrossen ihren Dienst.

Antalya - die Nürnberger Straßenbahn
Antalya – die Nürnberger Straßenbahn

Heute übernachten wir in Antalya, im in die Jahre gekommenen Hotel Grida City. Von unserem Balkon haben wir einen schönen Blick auf das nagelneue Fußballstadion.

Samstag, 21. November
Wir sind froh, dass wir heute zum letzten Mal das Hotel wechseln müssen. Wir haben gestern erfahren, dass wir die Anschlusswoche, die wir ja quasi geschenkt bekommen haben, im Hotel Belek Beach in Belek-Bogazkent verbringen werden. Ein kurzer Blick auf die Kritiken auf holidaycheck sagt uns, dass wir es wohl recht gut getroffen haben.

Nach dem Frühstück geht es in flotter Fahrt zurück nach Belek. Von dort waren wir ja gestern Morgen aufgebrochen.

So, der Aufenthalt in dem Hotel ist zwar kostenlos, es stellt sich jedoch die Frage, wie man sich dort ernährt. Nachdem wir ja im ersten Hotel in Side erfahren haben, dass es quasi unmöglich ist, sich außerhalb dieser Hotels zu versorgen, entscheiden wir uns für das All-Inclusive-Paket (zum ersten Mal in unserem Leben … mit Bändchen … auweia …) für 198 Euro pro Person.

Nachdem wir das uns zugedachte Zimmer zwei Mal zurückweisen, das erste zu dunkel (Bäume vor dem Balkon im ersten Stock), das zweite zu laut (Lärm einer Klimaanlage) landen wir im fünften Stock in einem schönen Zimmer mit großem Balkon – quasi einer Dachterrasse – und weitem Ausblick. Hier kann man sich wohlfühlen. Und auch sonst macht die frisch renovierte Anlage einen guten Eindruck. Gepflegter großer und schöner Park, direkter Zugang zum Strand, viele Liegen.

Sonntag, 22. – Samstag, 28. November

Wir fühlen uns wohl, in dieser Woche am Meer. Am ersten Morgen probiere ich das Schwimmen im gut 30 Meter langen Außenpool. Aber das Wasser ist so kalt, dass ich nach zwei Bahnen arg nach Luft schnappen muss. 16 Grad werden gemessen, zu kalt zum Schwimmen.

Hotel Belek Beach - der Pool
Hotel Belek Beach – der Pool

Schwimmen tue ich also besser im noch 22 Grad warmen Meer. Da das Wasser zumindest bis Mittag schön ruhig ist, geht das dort auch sehr gut.

Hotel Belek Beach - am Strand
Hotel Belek Beach – am Strand

Die Qualität des Essens ist annehmbar. Die Auswahl an Vorspeisen ist super, die an Hauptspeisen könnte etwas größer sein, die an Süßkrams ist unschlagbar. Leider sind wir nicht so die Süßen.

Hotel Belek Beach - Restaurant
Hotel Belek Beach – Restaurant
Hotel Belek Beach - Restaurant
Hotel Belek Beach – Restaurant

Auch hier gibt es hübsche Kätzchen.

DSC08202 Türkei Nov. 15 - Belek-Bogazkent - Hotel Belek Beach - Tier

Die ersten vier Tage haben wir sehr schönes Wetter, Sonnenschein satt mit Temperaturen bis 25 Grad im Schatten. Wir genießen den Müßiggang, das Lesen am Strand und das Schauen auf Sonnenuntergänge.

IMG_2144 Türkei Nov. 15 - Belek-Bogazkent - Hotel Belek Beach - Sonne

IMG_2180 Türkei Nov. 15 - Belek-Bogazkent - Hotel Belek Beach - Sonne

Später wird das Wetter schlechter. Es stürmt und es regnet zeitweise, das aber bei immer noch angenehmen 20 Grad. Ich gehe zum Hotel-Kuaför – die haben’s einfach drauf, diese türkischen Friseure -, und wir lassen uns eine gemeinsame Hammam-Behandlung mit anschließender asiatischer Massage verpassen. Ein Hammam habe ich bis jetzt nur von außen gesehen, nun aber kann ich mitreden.

Auch jetzt gibt es noch schöne Sonnenuntergänge.

DSC08231 Türkei Nov. 15 - Belek-Bogazkent - Hotel Belek Beach - Sonne

An unserem letzten Tag machen wir uns auf, um die nähere Umgebung zu erkunden. Es weht zwar weiterhin der starke Wind, aber es regnet nicht. Normalerweise reiht sich in den Ferienorten der Türkischen Riviera eine Hotelanlage am Strand an die nächste, kilometerweit, gefolgt von Anlangen in der zweiten und dritten Reihe, also ohne direkten Zugang zum Strand. Belek-Bogazkent ist ein relativ neu erschlossenes Gebiet. Eventuell greift hier aber auch ein sonst relativ unbekannter Begriff von Umweltschutz. Jedenfalls befindet sich östlich unseres Hotels nur ein weiteres und dann beginnt Brachland in Form eines Schilfdickichts. Noch weiter östlich mündet ein Fluss ins Meer. Dort haben Fischer ihr kleinen Boote vertäut. Nördlich befinden sich Ackerflächen. Wir machen eine sehr schöne kleine Wanderung und ziehen dabei tief die gute Seeluft in unsere Lungen.

IMG_2210 Türkei Nov. 15 - Belek-Bogazkent - Hotel Belek Beach - Sturm

DSC08244 Türkei Nov. 15 - Belek-Bogazkent

DSC08255 Türkei Nov. 15 - Belek-Bogazkent

Nach dieser Woche im Belek Beach haben wir mal wieder genug vom Hotelleben und freuen uns auf home sweet home. Dort landen wir dann gesund und munter am Samstag Abend.

Wir sind sehr zufrieden mit dieser Reise. Alles war perfekt organisiert. Wir hatten einen sehr professionellen Reiseleiter, der uns gut informiert hat und alles gut im Griff hatte. Und auch mit unserer Reisegrupppe selbst hatten wir Glück: Man konnte sich eigentlich mit jedem unterhalten, es waren keine Unsympathen dabei. Unser höchstens Glück aber ist, dass wir endlich diese wundervolle Landschaft Kappadokiens gesehen haben, und das auch noch von oben aus einem Heißluftballon.

8 thoughts on “Kappadokien / Türkische Riviera – 14.-28.11.2015

  1. Hallo Jürgen,
    du hast wieder sehr eindrucksvolle Bilder und einen sehr interessanten Bericht erstellt.
    Ich kann dir nachfühlen dass die Ballonfahrt großartig war. Das wäre auch mein Wunsch -so eine Ballonfahrt-. Und um diese Zeit noch im Meer schwimmen finde ich auch toll.
    Es freut mich dass ihr gesund und munter wieder zu Hause angekommen seid.
    Schöne Zeit noch euch beiden.

  2. Hallo Jürgen,

    wieder einmal lese ich einen sehr guten Bericht und sehe wundervolle Fotos von Kappadokien.
    Da wir ja diese Reise auch schon einmal gemacht haben, kamen viele Erinnerungen hoch.

    Wir hatten auch eine schöne Zeit mit wirklich sehr netten Mitreisenden, obwohl unsere Reise nicht so gut geplant und unser Reiseleiter ein garstiger Miesepeter war, ist sie uns in guter Erinnerung.

    Und für den Preis darf man nicht allzu wählerisch sein.

    Viele Grüße aus Haaren
    Marga

    1. Es ist wie es ist, liebe Marga: Der beste Reiseleiter ist oft man selbst, und die schönste Reisegruppe ist die, die man sich selbst zusammenstellt. 🙂

  3. Die Tuerkei war bisher in keinster Weise auf meinem Urlaubsradar, aber ich fürchte, das hat sich gerade geändert. Außerdem muss ich mal den newsletter dieser Firma RSD bestellen… 😉 Blöderweise habe ich nie Urlaubstage übrig, aber vielleicht kriege ich doch mal irgendwann was gebacken.

    Vielen Dank für den Bericht, der mir eine Gegend näher gebracht hat, die bisher völlig außerhalb von meinem Radar lag…

    LG
    Andrea

    1. Ja, ja, die Türkei! Die bietet um einiges mehr als man gemeinhin so annimmt. Vor allem aber auch sehr freundliche Menschen. Nur vor der Geschäftstüchtigkeit der Händler sollte man sich in Acht nehmen. 🙂

  4. Hallo Angela und Jürgen .
    Wie immer ein toller Reisebericht , alles nachvollziehbar . Wie lautet euer Name ? Hat man vergessen euch zu adeln ???
    Liebe Grüße von HP

    1. Hallo HP,

      danke dir. Tja, leider hat man uns nicht in den Adelsstand erhoben. Ist dort hinten wohl nicht üblich.

      Liebe Grüße zurück.

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