Angenehm ist es, mit einer Direktverbindung per Bahn anzureisen. Und schön, wenn einem die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) keine Steine auf die Gleise legt. Alles lief gut, keine telefonierenden Leute im Abteil (Schatz, ich bin jetzt eingestiegen; … Schatz, jetzt bin ich gerade in Leipzig angekommen; … Schatz, wenn alles gut geht, bin ich in drei Minuten in Berlin, Hauptbahnhof…). Und auch die Schaffnerin sorgte sehr zuvorkommend für Nachschub an Rotkäppchen-Sekt. Wir fuhren 1. Klasse; man gönnt sich ja sonst nichts. 🙂

So kamen wir gutgelaunt in Berlin an, stiegen in eine S-Bahn, die uns zum Bahnhof Zoo brachte, und rollten mit unseren Köfferchen vorbei am Hotel Waldorf Astoria (nein, diesmal kein Luxus), über den Breitscheidplatz mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und einem Weihnachtsmarkt, dann ein Stück den Kudamm entlang zur Meinekestraße, wo sich unser Hotel Residenz befindet.

Hotel Residenz
Hotel Residenz

Wir wurden sehr nett begrüßt, stellten im Zimmer fest, dass die Heizung auch im ausgeschalteten Zustand untolerierbare Geräusche von sich gab und bekamen ohne Probleme ein anderes Zimmer. So war alles gut und wir konnten uns auf die Piste begeben. Wir wollten noch ein bisschen Berliner Luft rund um den Breitscheidplatz schnuppern.

Da wartete zum Beispiel nach den ersten Eindrücken vom spätnachmittäglichen Kudamm die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf uns.

Am Kudamm
Am Kudamm
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit Neubau von Egon Eiermann
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit Neubau von Egon Eiermann
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit Neubau von Egon Eiermann
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit Neubau von Egon Eiermann
Im Neubau von Egon Eiermann
Im Neubau von Egon Eiermann

Dann ging es ins Kaufhaus das Westens (KaDeWe), dessen Lebensmittelabteilung mich so stark beeindruckt hatte, als ich 1983 zum ersten und einzigen Mal dort gewesen war. Nun ja. Sicher, die Auswahl ist überwältigend, aber an der Art der Darbietung hat sich wohl in den letzten 30 Jahren nicht viel geändert. Die wirkt doch allzu bieder. Liebe Karstadt-Verantwortliche, schaut euch doch mal bei Harrods in London um. D o r t findet ihr eine attraktive Darbietung von Waren. D o r t macht es wirklich Spaß, sich länger aufzuhalten. Das KaDeWe verließen wir nach kurzer Besichtigung wieder. We were not amused.

Nachdem uns dieses Kaufhaus bei keinem seiner Verpflegungsstände zu einem Innehalten hatte bewegen können, fanden wir in einer urigen Kneipe in der Meinekestraße all das, was wir uns erhofft hatten: Nette Atmosphäre, ein süffiges Bier und was Deftiges für den Magen. Das hat uns gut gefallen und mit Berlin versöhnt.

Das Wetter in Berlin war während unseres Aufenthaltes alles andere als schön. Es war geprägt von einem tristen Grau, die Temperaturen bewegten sich um die 4 Grad Celsius – immerhin regnete es nur hin und wieder mal. Eine gute Zeit also für Museums-Besuche. Wir hatten zwei volle Tage zur Verfügung, Dienstag und Mittwoch. Am Dienstag haben wir das Neue Museum auf der Museums-Insel besucht, und anschließend noch das DDR-Museum.

Vom Bahnhof Zoo fährt der Bus 100 bis auf die Höhe der Museums-Insel. Den nahmen wir. Zum ersten Mal saßen wir in einem Berliner Doppeldeckerbus ganz oben. Toller Blick, manchmal hat man den Eindruck, gleich macht es ratsch und man reißt nebenstehende oder -fahrende Fahrzeuge auf, aber alles ging gut. Den Bus 100 kann man echt als günstige Alternative für diese Stadtrundfahrten empfehlen. Man sieht auf der Fahrt vom Bahnhof Zoo bis zur Endstation Alexanderplatz irre viel.

Und dann das Neue Museum! Als wir 2009 das letzte Mal in Berlin waren, stand es kurz vor der Wiedereröffnung, nach seiner Restaurierung unter der Leitung von David Chipperfield. Wir hatten damals das beeindruckende Pergamon-Museum besucht, und nun warteten also unter anderem Nofretete und der Goldhut auf uns. Kurzum, alles, was wir im Neuen Museum sahen, gefiel uns sehr gut. Die Restaurierung fanden wir gelungen, diese Verbindung aus Alt und Neu unter Beibehaltung und Sichtbarmachung einiger durch den Krieg und die Nachkriegszeit entstandenen Schäden. Imposant! Und genau so beeindruckend waren die Ausstellungsstücke. Wundervoll die Büste der Nofretete. Sie ist noch viel schöner als vorher auf Fotos und Filmausschnitten gesehen. Schade, dass man die nicht fotografieren darf. Wohl aber den Rest, und so findet ihr hier ein paar Eindrücke aus dem Neuen Museum:

Neues Museum - Treppenhaus
Neues Museum – Treppenhaus
Neues Museum - Teil des Schatzes des Priamos
Neues Museum – Teil des Schatzes des Priamos
Neues Museum - die schmucke Sophie
Neues Museum – die schmucke Sophie
Neues Museum - Der "Berliner Grüne Kopf" - um 350 v. Chr.
Neues Museum – Der „Berliner Grüne Kopf“ – um 350 v. Chr.
Neues Museum
Neues Museum
Neues Museum
Neues Museum
Neues Museum - Hausaltar: Echnaton, Nofretete und drei ihrer Töchter unter dem Strahlen-Aton
Neues Museum – Hausaltar: Echnaton, Nofretete und drei ihrer Töchter unter dem Strahlen-Aton, um 1345 v. Chr.
Neues Museum - Berliner Goldhut, um 1000 v. Chr.
Neues Museum – Berliner Goldhut, um 1000 v. Chr.

Bei dem relativen schlechten Wetter, und da wir nun schon mal in der Gegend waren, bot sich ein weiterer Museumsbesuch an. Auf der anderen Spreeseite, gegenüber dem Berliner Dom, befindet sich das DDR-Museum. Das wollten wir uns noch anschauen. Vorher aber gab es Essen im direkt daneben gelegenen „DDR-Restaurant Domklause“.

DDR-Museum Domklause
DDR-Museum Domklause

Wie das Museum selbst soll es an die ja eher schlechten alten DDR-Zeiten erinnern.

DDR-Restaurant Domklause
DDR-Restaurant Domklause – „ham wa nich“

Glücklicherweise gelang das nicht hundertprozentig: Weder mussten wir warten, bis wir „platziert“ wurden, noch mussten wir uns über unfreundlichen Service ärgern. Die junge Dame, die uns bediente, war supernett und sie freute sich sehr, als ich ihr sagte, dass sie ja so gar nicht in dieses Restaurant passen würde. 🙂

Dann noch flugs die DDR-Ausstellung besichtigt (ist wohl eher was für Leute, die sich nicht daran erinnern, wie es in der DDR zuging) …

Im DDR-Museum
Im DDR-Museum

… und dann machten wir uns auf den langen Rückweg, diesmal zu Fuß.

Berlin ist nach wie vor eine einzige Baustelle
Berlin ist nach wie vor eine einzige Baustelle

Auf unserem Weg lag der Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt.

Gendarmenmarkt
Gendarmenmarkt
Am Gendarmenmarkt - Baumkuchenproduktion auf dem Weihnachtsmarkt
Am Gendarmenmarkt – Baumkuchenproduktion auf dem Weihnachtsmarkt

Dann kamen wir zum Potsdamer Platz, mit seinem Weihnachtsmarkt.

Potsdamer Platz
Potsdamer Platz
Potsdamer Platz - Weihnachtsmarkt
Potsdamer Platz – Weihnachtsmarkt

Bis wir dann nach langem Laufen an „unserem“ Weihnachtsmarkt ankamen, dem am Breitscheidplatz.

Breitscheidplatz - Weihnachtsmarkt - das Foto kostete mich 5 Euro :-)
Breitscheidplatz – Weihnachtsmarkt – das Foto kostete mich 5 Euro 🙂

Am nächsten Tag stand eine weitere Ausstellung auf dem Programm. Wir wollten uns noch die Wikinger-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau anschauen. Mit dem Bus 200 fuhren wir zum Potsdamer Platz und von dort ging es noch ein kurzes Stück zu Fuß weiter.

Potsdamer Platz
Potsdamer Platz
Martin-Gropius-Bau
Martin-Gropius-Bau

Die Wikinger-Ausstellung empfanden wir nicht als den Hit. Toll waren die Überreste des Wikinger-Schiffs, das man beim Ausbau der Hafens von Roskilde entdeckt hat. Man hat es durch eine zugefügte Metallkonstruktion so dargestellt, wie es wohl früher aussah. Es handelt sich um das größte Wikinger-Schiff, dass man je entdeckt hat. 36 Meter lang. Schon beeindruckend. Der Rest der Ausstellung … Na ja, vielleicht waren wir durch das im Neuen Museum Gesehene gesättigt, vielleicht waren wir auch enttäuscht, weil wir im Sommer im Wikingerdorf zwischen Malmö und Trelleborg einen besseren Eindruck vom Leben der Wikinger bekommen hatten.

Wir stiegen dann am Potsdamer Platz wieder in den Bus 200 und machten mit dem eine Tour durch den Berliner Osten. Dort geht es mancherorts schon noch etwas trist zu.

Im Osten Berlins
Im Osten Berlins

Nun hatten wir genug von Museen und Ausstellungen und wollten uns noch etwas der leichten Muse widmen: Schaufenster angucken etc.

Zuerst auf dem Kudamm …

Kudamm
Kudamm
Kudamm
Kudamm
Kudamm - aber immer schön treu bleiben
Kudamm – aber immer schön treu bleiben

… und dann im renovierten und im April 2014 wiedereröffneten Bikini-Haus.

Bikini-Haus
Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus
Im Bikini-Haus

Kalt war es heute gewesen und so freuten wir uns nach einem wärmenden Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz auf unser Hotelzimmer.

Hotel Residenz - Lobby
Hotel Residenz – Lobby

Donnerstag, und schon war es an der Zeit, an die Rückreise zu denken. Nach dem Frühstück ging es allerdings erst nochmal den Kudamm rauf und runter. Und wir wurden doch noch fündig: Fundstück war ein Paar Stiefel für mich. 🙂

Um 12 Uhr verließen wir dann das Hotel, fuhren mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof und verbrachten dort die Wartezeit in der DB-Lounge. Es gibt dort zwei Bereiche: einen für die „Vielfahrer“ (ich wusste gar nicht, dass es bei der DB so was gibt) und einen für die Gäste der 1. Klasse. Und die bekommen Eintopf, Sandwiches und auch Getränke wie unter anderem Sekt und Wein gratis.

Berlin Hauptbahnhof - in der DB-Lounge
Berlin Hauptbahnhof – in der DB-Lounge

Man gönnt sich ja sonst nichts. 🙂

Und es errät bestimmt niemand, in welchem Buch ich da seit einigen Monaten lese …

4 thoughts on “Berlin – 15.-18.12.2014

  1. Hallo AK und JK
    Ich habe heute deine Mail bekommen und sofort die Berlin Reise mir reingezogen . Bin sprachlos , beeindruckt von den gekonnten Aufnahmen und den Ausführungen zum Erlebten .
    Ich werde all meinen Bekannten und Freunden deine Reiseberichte empfehlen .
    Klasse , weiter so !
    Liebe Grüße HP

    1. Hallo HP,
      es freut mich sehr, dass ich dich so begeistern konnte. Da mache ich doch doppelt gerne weiter. 🙂
      Liebe Grüße
      Jürgen

  2. Lieber Jürgen,

    wieder mal eine gelungene Mischung aus Information und schönen Bildchen! Macht Lust auf mehr… *hehe* 😉

    LG
    Andrea

    1. Öh, ja, Rom steht an. 🙂 Bin gerade am Vorbereiten des Trips.
      Freut mich, dass es dir gefallen hat, liebe Andrea.

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