Das Reisejahr 2016 beginnen wir – wie schon das vergangene Jahr – mit einem Städtetrip nach Italien. Kultur pur ist angesagt. Das Florenz der Medici steht schon seit längerem auf unserer Wunschliste. Wir kennen die Stadt schon, waren beide schon zwei Mal dort, in den Uffzien war ich aber noch nie, und auch die meisten anderen Kulturdenkmäler habe ich mangels Zeit oder wegen zu langer Warteschlangen bisher vernachlässigt. Aber jetzt! Schon Tage vorher haben wir einen Plan aufgestellt, was wir wann besuchen wollen, in den drei vollen Tagen, die wir in Florenz verbringen werden.

Montag, 29. Februar
Aber erst müssen wir mal hinkommen, in die Geburtsstadt der Renaissance. Wir wollen für die Anreise nur öffentliche Verkehrsmittel benutzen. So fahren wir um 4:40 Uhr mit dem Bus zum Bahnhof, dann mit dem Zug nach Nürnberg. Mit einem ICE zum Frankfurter Flughafen. Mit der Alitalia fliegen wir nach Rom und von dort nach Florenz. Vom Flughafen geht es mit dem Bus zum Bahnhof von Florenz und dann zu Fuß zum Hotel. Mit diversen wetterbedingten Verspätungen kommen wir nach einer 14-stündigen Reise in unserem Hotel an.
Tiziano, der Besitzer des Hotels Gioia, hat uns für den Abend einen Tisch im Restaurant Palle d‘ Oro reserviert. Wir schaffen es gerade noch, den Termin um 19 Uhr wahrzunehmen. Nach der strapaziösen Anreise haben wir uns schon jetzt den kulinarischen Höhepunkt unseres Aufenthalts verdient: Wir wollen die toskanische Küche kennenlernen, und da das Palle d‘ Oro für sein Bistecca alla fiorentina bekannt ist, gönnen wir uns dieses Gericht. 900 Gramm dieser Art von T-Bone-Steak, die wir uns aber teilen. Und dazu eine Flasche ganz vorzüglichen Brunello di Montalcino. Die Atmosphäre im Lokal ist sympathisch und familiär, unser Ober sehr zuvorkommend, und so fühlen wir uns sofort sehr wohl in Florenz.
Dann geht es zurück ins Hotel Gioia, wo wir endlich mal ein bisschen zur Ruhe kommen können. Der Empfang am Abend war sehr freundlich, unser Zimmer ist angenehm, sehr sauber und schön ruhig mit Fenster zu einem Innenhof gelegen. Und dann die Lage! Fünf Minuten zu Fuß sind es bis zum Dom. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Hotel-Wahl.

Dienstag, 01. März
Beim Frühstück lernen wir Tiziano, den Besitzer des Hotels kennen. Ein sehr netter Mensch, der sich Zeit nimmt, mein noch holpriges Italienisch hin und wieder mit einem Vorschlag von seiner Seite aufzupolieren. So kenne ich sie, die Italiener: Sie freuen sich, wenn man sich bemüht, sich in ihrer Sprache zu verständigen, und sie sprechen dann auch extra langsam und versuchen, mit dem fehlenden Wort zu helfen.

Hotel  Gioia - Rezeption mit Tiziano
Hotel Gioia – Rezeption mit Tiziano

Das Frühstück ist für italienische Verhältnisse recht umfangreich, und wir bekommen einen superguten Cappuccino serviert. Und dann geht es auf die Piste.

Hotel Gioia
Hotel Gioia

Wir kaufen in der Touristeninformation die Firenze Card. Sie kostet zwar 72 Euro pro Person, aber man kann mit ihr auch 72 Museen, Kirchen und Baudenkmäler besuchen, sie gilt ab dem ersten Eintritt für 72 Stunden, und was besonders angenehm ist, man kann an den Warteschlangen vorbeimarschieren und bekommt einen gesonderten Eintritt. Ich liebe es, als VIP behandelt zu werden. 🙂

Über die Piazza della Signoria – mit einem Blick auf den Neptunbrunnen vor dem Palazzo Vecchio …

Fontana del Nettuno
Fontana del Nettuno

… und auf die Loggia dei Lanzi mit der berühmten Statue des Perseus mit dem abgeschlagenen Haupt der Medusa, geschaffen von Benvenuto Cellini …

Benvenuto Cellinis "Perseus"
Benvenuto Cellinis „Perseus“

… – geht es zu Punkt 1 unserer heutigen Tagesordnung: den Uffizien. Angela hat dieses berühmte Museum früher schon einmal besichtigt, aber für mich steht ein Blick auf die Originale von Botticellis „Geburt der Venus“ und „Frühling“ schon seit langer Zeit ganz oben auf der Wunschliste. Mit unserer Firenze Card bekommen wir an einem speziellen Eingang sofortigen Zutritt. Anders als im Sommer herrscht kein Gedränge in den Dutzenden von Sälen, und man kann die Kunst vergangener Jahrhunderte so richtig schön auf sich wirken lassen. Ich habe mich vor unserer Reise recht intensiv mit der Kunstepoche der Renaissance beschäftigt, und hier wird das Ganze nun bildlich bzw. figürlich unterlegt. Toll! Und einfach irre, was dieses Museum an prächtigen Werken und an Ausstattung zu bieten hat. Allein, wenn man mal den Blick in die Höhe schweifen lässt: all diese wunderschönen und so filigranen Deckengemälde in den langen Gängen. Tagelang könnte man sich dort aufhalten und nur an die Decke starren.

Uffizien - die bezaubernden Deckengemälde
Uffizien – die bezaubernden Deckengemälde

Hier ein paar Eindrücke aus den Uffizien. Glücklicherweise ist inzwischen das Fotografieren erlaubt.

Uffizien - Tribuna
Uffizien – Tribuna
Uffizien - im Quergang
Uffizien – im Quergang
Uffizien - Blick vom Quergang auf den Ponte Vecchio
Uffizien – Blick vom Quergang auf den Ponte Vecchio
Uffizien - Botticellis "Frühling"
Uffizien – Botticellis „Frühling“
Uffizien - Botticellis "Geburt der Venus"
Uffizien – Botticellis „Geburt der Venus“
Uffizien - nette Pause im Café auf dem Dach der Loggia dei Lanzi
Uffizien – nette Pause im Café auf dem Dach der Loggia dei Lanzi
Uffizien
Uffizien

Tief beeindruckt, aber auch leicht übersättigt verlassen wir das Museum. Irgendwann lässt ganz einfach die Aufnahmefähigkeit nach. Ich freue mich sehr, dass ich endlich die Originale von Botticellis „Geburt der Venus“ und „Frühling“ bewundern konnte, bin jedoch auch ein bisschen enttäuscht, weil die Originalfarben blasser sind als die Farben der zahlreichen Reproduktionen, die ich bis jetzt gesehen habe.
Nun haben wir Hunger und steuern das direkt gegenüber dem Besucherausgang der Uffizien gelegene Restaurant an. Wir rechnen eigentlich damit, dass es sich beim Ristorante Pizzeria Uffizi um eine Touristenfalle handelt, sehen aber schnell, dass hier vor allem Angestellte aus der Umgebung zu Mittag essen. Meine pappardelle al cinghiale zu 8 Euro schmecken lecker und auch Angela ist mit ihrem antipasto di mare tiepido con pane tostato zu 9 Euro sehr glücklich. Und dazu lassen wir uns den weißen vino della casa schmecken. Einen halben Liter für 6 Euro. Da kann man nicht meckern.

Ristorante Uffizi
Ristorante Uffizi

Als nächster Besichtigungspunkt steht der Palazzo Pitti auf unserem Programm. Am Arno entlang …

Maler am Ufer des Arno
Maler am Ufer des Arno

… erreichen wir den Ponte Vecchio mit seinen Goldgeschäften.

Ponte Vecchio
Ponte Vecchio
Ponte Vecchio
Ponte Vecchio

Und dann liegt er vor uns, der Palazzo Pitti; ursprünglich von der Familie Pitti errichtet, später von den Medici übernommen, diente er von 1865 bis 1870, als Florenz Hauptstadt Italiens war, als königliche Residenz.

Palazzo Pitti
Palazzo Pitti

Da gerade die Sonne scheint, spazieren wir zuerst durch den zum Palast gehörenden Boboli-Garten. Als wir 1997 gemeinsam in Florenz waren, war dieser Garten noch als öffentlicher Park frei zugänglich. Jetzt ist er nicht mehr kostenlos zu besuchen. Schade für die Florentiner, die dort gerne mit Kind und Kegel ihr Wochenende verbracht haben, aber man muss schon auch sehen, dass der Erhalt der Brunnen, Grotten und Statuen ganz schön aufwendig ist.

Giardino di Boboli - Brünnchen
Giardino di Boboli – Brünnchen
Giardino di Boboli - Fontana di Nettuno (Neptunbrunnen)
Giardino di Boboli – Fontana di Nettuno (Neptunbrunnen)
Giardino di Boboli - Grotta del Buontalenti
Giardino di Boboli – Grotta del Buontalenti

Im Palazzo Pitti selbst sind verschiedene Museen untergebracht. Wir beschränken uns auf die Besichtigung der Medici-Sammlung „Galleria Palatina“ und auf den Rundgang durch die königlichen Gemächer, den „Appartamenti Reali“. Und selbst damit sind wir überfordert. So eine Pracht, sowohl die Ausstattung der Räume als auch die Kunstwerke betreffend, haben wir wohl noch nie gesehen. Und hier muss ich mal aus dem ADAC-Reiseführer zitieren:
„Auf farbigen Seidentapeten hängen die Werke in mehreren Reihen übereinander. Sie sind nach rein dekorativen Gesichtspunkten geordnet. Das ist zwar kulturhistorisch interessant, erweist sich jedoch für den zeitgenössischen Betrachter als Herausforderung. Es fällt schwer, in dieser Überfülle einzelne Kompositionen ausgiebiger zu studieren, und es besteht die Gefahr, dass man bedeutende Meisterwerke übersieht …“.
Wir übersehen sicher so einiges, bei dieser Überfülle an Werken von Rubens, Tizian, Van Dyck, Veronese, Tintoretto, Raffael, Caravaggio und Co. Einfach irre. Gehirnwäsche pur.

Hier einige Eindrücke:

Palazzo Pitti - Galleria Palatina
Palazzo Pitti – Galleria Palatina
Palazzo Pitti - Galleria Palatina
Palazzo Pitti – Galleria Palatina
Palazzo Pitti - Galleria Palatina
Palazzo Pitti – Galleria Palatina
Palazzo Pitti - Appartamenti Reali
Palazzo Pitti – Appartamenti Reali

Völlig geplättet verlassen wir den Palazzo Pitti. Ja so eine Pracht aber auch …

Da wir uns nun schon mal im Stadtteil Oltrarno befinden, können wir doch gleich noch ein bisschen die Atmosphäre dieses Viertels schnuppern. Früher haben sich hier die Handwerker angesiedelt, die für die Paläste der Reichen die Einrichtungsgegenstände angefertigt haben. Auch heute noch gibt es hier viele Handwerker, dazu fast noch mehr Antiquitätenhändler, aber auch viele Studenten, die hier wohl noch erschwingliche Wohnungen finden. Wir schaffen es gerade noch, uns die Kirche Santo Spirito anzuschauen und merken dann doch, dass sich unser Auffassungsvermögen in Nichts auflöst.

Durch die Via dei Tornabuoni mit ihren Luxusgeschäften …

Via dei Tornabuoni
Via dei Tornabuoni

… vorbei am Mamorgebirge des Duomo Santa Maria del Fiore …

Dom Santa Maria del Fiore
Dom Santa Maria del Fiore

… mit noch einem Schlenker über die Piazza Santissima Annunziata …

Piazza Santissima Annunziata
Piazza Santissima Annunziata

… und nach einem Absacker in einer Bar an der Piazza San Marco geht es zurück ins Hotel.

Aber nicht für lange. Wir wollen heute noch mal ins Restaurant Palle d‘ Oro, denn ich möchte dort die typisch florentinischen Trippa alla fiorentina probieren – in Tomaten und Wein gedünstete Kutteln. No risk, no fun, denke ich mir, und ich bin ja nun schon sehr experimentierfreudig, aber ich vermute denn doch, dass es heute eher auf ein much risk, no fun hinauslaufen wird. Leider behalte ich Recht.

Die Bedienung ist genauso zuvorkommend wie gestern. Der Wein ist auch gut. Nachdem es gestern eine Flasche des noblen Brunello di Montalcino gab, wählen wir heute eine Flasche des günstigeren Bruders, des Rosso di Montalcino. Auch recht gut. Und dann bestellen wir das Menu turistico. Angela bekommt als ersten Gang eine Graupensuppe, die sowohl von der Optik als auch vom Geschmack her für uns beide ungenießbar ist. Ich bekomme gute Nudeln mit Wildschweinsauce. Nicht so gut wie die zu Mittag im Ristorante Uffizi, aber dennoch okay. Angela isst dann einen Hühnerschenkel, der sie halbwegs zufriedenstellt, und mir werden die gewünschten, aber auch gefürchteten Trippa alla fiorentina serviert. Au weia: Trotz der Tomatensauce sind die ja sowas von lätschert geschmacklos … Vielleicht wäre es mit einer vollen Dröhnung Chili in der Tomatensauce besser gelaufen? Egal: Das muss ich nie, nie, nie mehr haben. Da sind wir vom gestrigen Feinschmeckerparadies heute in die entsprechende Hölle abgestiegen.

Es folgen Fotos aus dem Restaurant Palle d‘ Oro. Zu sehen ist auch das Rohmaterial für die herrliche Bistecca alla fiorentina von gestern (da hatte ich den Fotoapparat leider nicht dabei). Hmm, ist das lecker gewesen.

Restaurant Palle d' Oro - Trippa alla fiorentina
Restaurant Palle d‘ Oro – Trippa alla fiorentina
Restaurant Palle d' Oro - Bistecca alla fiorentina
Restaurant Palle d‘ Oro – Bistecca alla fiorentina
Restaurant Palle d' Oro - der Koch
Restaurant Palle d‘ Oro – der Koch
Restaurant Palle d' Oro
Restaurant Palle d‘ Oro

Auf dem Heimweg kommen wir wieder am Dom vorbei. Absolut beeindruckend, dieses Bauwerk.

Dom Santa Maria del Fiore
Dom Santa Maria del Fiore

Und wir machen einen Besuch in einer Filiale von Eataly, einem Edel-Supermarkt, der feine italienische Lebensmittel vertreibt. Inzwischen gibt es auch eine erste Filiale in Deutschland, in München, in der Schrannenhalle nahe dem Viktualienmarkt. Hmmm, welch‘ irre Auswahl an tollen Lebensmitteln. Wir belassen es jedoch beim Kauf von einer Flasche Rotwein.

Eataly-Filiale
Eataly-Filiale

Ein paar Meter hinter dem Palazzo Medici Riccardi, dem ersten noblen Sitz der Medicis, liegt schon unser Hotel. Schön, dass wir uns hier so richtig wohl fühlen können. Der Schlummertrunk in Form der soeben gekauften Rotweins tut dazu sein Übriges.

Villa Medici Riccardi
Villa Medici Riccardi

Mittwoch, 2. März
Leider hat sich über Nacht bei mir eine Erkältung eingestellt. Ich bin deswegen leicht unglücklich. Wieso gerade jetzt, nachdem ich ein ganzes Jahr lang keinerlei Krankheit hatte? Nun gut, da muss ich durch. Der supergute Cappuccino im Hotel sichert dennoch einen guten Start in den Tag. Für heute ist durchgängig Sonnenschein angekündigt, und wir haben deshalb schon gestern beschlossen, die für florentinische Verhältnisse eher lange Strecke zur Kirche San Miniato al Monte oberhalb der Piazzale Michelangelo zurückzulegen.

Erster Besichtigungspunkt an diesem Tag ist jedoch das Museo Nazionale del Bargello. Das Gebäude, in dem dieses Skulpturenmuseum untergebracht ist, war der erste Kommunalpalast (also für Verwaltungszwecke) von Florenz, vollendet im Jahr 1261. Ein in unseren Augen sehr würdevoller Ort für herrliche Skulpturen, wie zum Beispiel Donatellos David. Dieser David ist, wie man in wirklich jedem Reiseführer wörtlich lesen kann, „die erste freistehende Aktfigur seit der Antike“.

Hierzu ein kleiner Abschweif: Wenn man, wie wir es oft tun, mehrere Reiseführer für einen Ort oder eine Region kauft, oder über die Jahre eben mehrere von verschiedenen Verlagen erworben hat, fällt es sehr negativ auf, dass anscheinend fast jeder Autor vom anderen abschreibt, oder alle von einem. Das kennen wir von Rom, aus der Toskana, aus der Provence, aus dem Burgund, von den Seychellen, aus dem Tessin, kurzum, aus allen Gegenden, die wir bis jetzt bereist haben. Irgendwie ärgerlich.

Aber nun zurück zum Bargello. Von seiner Architektur her ist das Gebäude der kleinere Bruder des Palazzo Vecchio, nur um einiges älter. In seinem Inneren bietet es Schätze, die wirklich einen Besuch lohnen. Allerdings ist mir der berühmte David von Donatello bei weitem zu weiblich. Ich ziehe eh Skulpturen vor, die Frauen zeigen, und wenn schon Männer, dann gscheit männlich! Jetzt, wo ich dies gerade so schreibe, fällt mir auf, dass ich bei meiner Auswahl für die Fotos für diesen Beitrag gar keine Nahaufnahme von Donatellos David ausgewählt habe. Okay, suche ich also schnell noch eine. Hier ist sie:

Museo del Bargello - Donatellos David
Museo del Bargello – Donatellos David

Und hier noch einige weitere Eindrücke aus dem Museo Nazionale del Bargello. Anders als in den Uffizien waren hier kaum weitere Besucher unterwegs. S e h r gut.

Museo Nazionale del Bargello
Museo Nazionale del Bargello
Museo Nazionale del Bargello - in der Bildmitte der Marzocco, das Original des berühmten Löwen vor dem Palazzo Vecchio, und rechts dahinter der David, beides von Donatello
Museo Nazionale del Bargello – in der Bildmitte der Marzocco, das Original des berühmten Löwen vor dem Palazzo Vecchio, und rechts dahinter der David, beides von Donatello
Museo Nazionale del Bargello
Museo Nazionale del Bargello

Als nächstes steht ein Besuch von Santa Croce an. In der riesigen Kirche befinden sich viele Grabmäler von berühmten Italienern. So zum Beispiel diejenigen von Michelangelo, Gioachino Rossini und Galileo Galilei.

Santa Croce
Santa Croce
Santa Croce
Santa Croce
Santa Croce - Grabmal von Michelangelo
Santa Croce – Grabmal von Michelangelo

Anschließend geht es auf die andere Seite des Arno und dann steil hinauf zur im 11. Jahrhundert errichteten romanischen Kirche San Miniato al Monte. Eigentlich zu steil für meine Erkältung mit Fieber. Aber so ein Städtetrip ist nunmal kein Zuckerschlecken.

Und die Anstrengung lohnt sich. Erstens ist San Miniato al Monte (mit dem Grab des Heiligen Minias) eine wunderschöne Kirche – gemäß Wikipedia eine der schönsten Italiens – und zweitens hat man von dort oben einen herrlichen Blick über Florenz.

San Miniato al Monte
San Miniato al Monte
San Miniato al Monte - in der Krypta mit dem Grab des Heiligen Miniato (Minias)
San Miniato al Monte – in der Krypta mit dem Grab des Heiligen Miniato (Minias)
San Miniato al Monte - Blick über den Friedhof auf Florenz
San Miniato al Monte – Blick über den Friedhof auf Florenz

Nach den bisherigen Anstrengungen dieses Tages haben wir uns auf der etwas tiefer gelegenen Piazzale Michelangelo eine Pause verdient. Auch von hier hat man einen herrlichen Blick auf Florenz. Wir gönnen uns jeder ein birra alla spina (vom Fass), und ich im Anschluss noch einen Aperol Spritz. Der Flüssigkeitshaushalt verlangt nach Ausgleich. 😉

Aperol Spritz und Birra an der Piazzale di Michelangelo
Aperol Spritz und Birra an der Piazzale di Michelangelo

Nach einem letzten Blick über die Stadt …

Blick von der Piazzale Michelangelo
Blick von der Piazzale Michelangelo

… geht es über diverse Straßen und Treppen wieder hinunter in das Herz von Florenz. Über den Arno und vorbei an den Uffizien nähern wir uns einem weiteren Programmpunkt des heutigen Tages, dem Besuch des Palazzo Vecchio. Auf dem folgenden Foto sieht man an den Uffizien ein Armeefahrzeug und einen mit einer Maschinenpistole bewaffneten Soldaten. Auf dem Fahrzeug ist zu lesen: „Esercito – Operazione Strade Sicure“. Wir werden dadurch schmerzlich daran erinnert, dass es in unseren heutigen Zeiten schlimmere Vorkommnisse geben könnte als die Taschendiebstähle, vor denen in Florenz besonders gewarnt wird.

An den Uffizien
An den Uffizien

Im Palazzo Vecchio haben wir dann das Gefühl, dass wir inzwischen einen gewissen Sättigungsgrad überschritten haben, was unsere Aufnahmefähigkeit betrifft. Meine Erkältung ist der Aufmerksamkeit auch nicht gerade zuträglich und so lassen wir uns ein bisschen durch dieses Gebäude treiben. Es wäre sicher alles noch beeindruckender, wenn wir nicht vorher Kultur-Highlights wie Uffizien oder Palazzo Pitti gesehen hätten. Trotzdem begeistern uns die Größe und die Pracht des Salone dei Cinquecento (des Saals der Fünfhundert).

Palazzo Vecchio - Salone dei Cinquecento
Palazzo Vecchio – Salone dei Cinquecento

Meine Erkältung ruft nun eigentlich nach Bettruhe, meine Städte-Trip-Disziplin jedoch verlangt noch nach einem – zumindest kurzen – Abstecher in die Galleria dell‘ Accademia, wo sich das Original von Michelangelos David befindet. Die Disziplin ist stärker.

Über die Piazza della Signoria mit einem Rückblick auf Palazzo Vecchio, Neptunbrunnen und das Reiterstandbild Cosimos I. …

Palazzo Vecchio - Neptunbrunnen und das Reiterstandbild Cosimos I.
Palazzo Vecchio – Neptunbrunnen und das Reiterstandbild Cosimos I.

… geht es dank unserer Firenze Card vorbei an einer wohl 200 Meter langen Schlange vor der normalen Kasse an der Galleria dell‘ Academia. Im Inneren bewegen wir uns dann zwischen unvollendeten Skulpturen Michelangelos direkt auf seinem David zu, und zwar auf das Original. Der David gilt als die berühmteste Statue der Kunstgeschichte. Hmmm, ja, aber wie schon gesagt, ich persönlich stehe da mehr auf Frauen-Statuen. 🙂

Galleria dell' Accademia - das Original von Michelangelos David
Galleria dell‘ Accademia – das Original von Michelangelos David

Meine Restenergie reicht für das Erdgeschoss; pflichtbewusst willige ich zwar ein, auch noch die Ausstellungsgegenstände im 1. Stock zu betrachten, aber auf der letzten Stufe der übermäßig langen Treppe muss ich kapitulieren. Wir verlassen das Gebäude, schaffen es gerade noch in eine Bar in der Nähe unseres Hotels. Nett ist es hier. Es ist so eine für Italien typische Bar um die Ecke, eines dieser „Kommunikationszentren“, in dem sich die Einwohner des Viertels zu einem schnellen Espresso einfinden.

Bar im Universitäts-Viertel
Bar im Universitäts-Viertel

Tiziano haben wir heute Morgen gefragt, ob er uns ein Restaurant in der Nähe seines Hotels empfehlen könne. Ja, konnte er: In das Ristorante Cafaggi würde er selbst des öfteren gehen, es sei alteingesessen und biete eine sehr gute toskanische Küche. Auf dem Rückweg zum Hotel schauen wir uns die an diesem Restaurant ausgehängte Speisekarte an und beschließen, dort zu Abend zu essen. Doch im Hotel bemerke ich, dass ich hohes Fieber habe und da verbietet sich ein Restaurantbesuch irgendwie von selbst. Anstelle von toskanischer Küche gibt es heute amerikanisches Fastfood im Hotel.

Donnerstag, 03. März
Die Bettruhe hat mir gut getan, und heute geht es mir schon viel besser. Das ist gut so, denn unser Besichtigungsprogramm ist auch an unserem letzten Tag in Florenz prall gefüllt.

Unser erster Besuch gilt der Kirche San Lorenzo. Trotz der potenten Geldgeber – die Medici kümmerten sich um die Finanzierung diverser baulicher Erweiterungen und sie ließen sich unter anderem auch eine Familiengrablege bauen – kam es nie zu einer Verkleidung der Fassade. Und so steht San Lorenzo noch heute seltsam schmucklos in der prächtigen Umgebung.

San Lorenzo
San Lorenzo

In der Krypta befindet sich in dem Pilaster, der auf dem folgenden Foto zu sehen ist, das Grab von Cosimo il Vecchio (dem Alten), einem der wichtigsten Vertreter der Medici. Diese Säule dient als Stütze für die darüber befindliche Kirche. Welch ein Symbol!

San Lorenzo
San Lorenzo

Nun noch ein Besuch in den überaus prächtigen Grabkapellen der Medici, in die man durch einen gesonderten Eingang gelangt …

Cappelle Medicee - Cappella dei Principi (Kapelle der Großherzöge)
Cappelle Medicee – Cappella dei Principi (Kapelle der Großherzöge)
Cappelle Medicee - Fußboden
Cappelle Medicee – Fußboden

… und dann wenden wir uns für kurze Zeit den kulinarischen Genüssen zu, die der Mercato Centrale so überreichlich zu bieten hat. Wunderbar, was wir dort alles zu sehen bekommen. Und einmal mehr bedauern wir, dass es so etwas in unserer Stadt nicht gibt. Nur um die auf dem letzten Foto zu sehenden Innereien beneide ich die Florentiner nicht. 😉

Mercato Centrale
Mercato Centrale
Mercato Centrale
Mercato Centrale
Mercato Centrale - verschiedene Arten von Artischocken
Mercato Centrale – verschiedene Arten von Artischocken
Mercato Centrale - Innereien
Mercato Centrale – Innereien

Schade, dass wir noch keinen Hunger haben, denn im Mercato Centrale gibt es einige Restaurants, aus denen sich herrliche Düfte verbreiten.

Stattdessen steht die nächste Kirche auf dem Besichtigungsplan: Santa Maria Novella, wie fast alle florentiner Kirchen mit einer langen Baugeschichte versehen. 1094 wurde der Vorgängerbau geweiht, und heute haben wir hier eine gotische Basilika vor uns, deren Fassade Mitte des 14. Jahrhunderts im Stil der Protorenaissance mit weißem und grünem Marmor verkleidet wurde.

Santa Maria Novella
Santa Maria Novella
Santa Maria Novella
Santa Maria Novella
Santa Maria Novella
Santa Maria Novella

Dann ereilt uns doch der Hunger und wir essen – diesmal leider mehr schlecht als recht – in einer kleinen Trattoria ums Eck. Anschließend gönnen wir unseren Geruchsnerven – und auch dem Auge – den Genuss des Besuchs der im 13. Jahrhundert gegründeten Apotheke von Santa Maria Novella.

Herrliche Düfte durchziehen die wunderschön ausgestatteten Räume.

Officina Profumo-Farmaceutica die Santa Maria Novella
Officina Profumo-Farmaceutica die Santa Maria Novella
Officina Profumo-Farmaceutica die Santa Maria Novella
Officina Profumo-Farmaceutica die Santa Maria Novella

Gestern schien so schön die Sonne, heute jedoch herrscht am Himmel ein tristes Grau-in-Grau, und es weht ein unangenehm kalter Wind durch die Stadt. Es zieht uns zurück in das gemütliche Hotelzimmer, aber vorher warten noch zwei der berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Florenz auf unseren Besuch: das Battistero (Baptisterium) San Giovanni mit seiner herrlichen Kuppel und der berühmten Paradiestür und der Dom Santa Maria del Fiore.

Battistero San Giovanni - die Kuppel
Battistero San Giovanni – die Kuppel
Battistero San Giovanni - die Kuppel (Ausschnitt)
Battistero San Giovanni – die Kuppel (Ausschnitt)
Battistero San Giovanni - die sogenannte Paradiestür
Battistero San Giovanni – die sogenannte Paradiestür
Battistero San Giovanni - die Paradiestür (Ausschnitt)
Battistero San Giovanni – die Paradiestür (Ausschnitt)
An der Piazza San Giovanni
An der Piazza San Giovanni
Dom Santa Maria del Fiore
Dom Santa Maria del Fiore
Dom Santa Maria del Fiore - die riesige Kuppel
Dom Santa Maria del Fiore – die riesige Kuppel

Hier möchte ich mal wieder unseren ADAC-Reiseführer zitieren:
„Der Florentiner Dom, ein Bau von 160m Länge, 43m (Langhaus), bzw. 91m (Querhaus) Breite, bekrönt von einer 114m hohen Kuppel, schwimmt wie ein gewaltiger Tanker im Häusermeer von Florenz.“
Recht gut ausgedrückt. Immer, wenn wir am Dom vorbeikamen, hatten wir den Eindruck, da läge ein riesiges Marmorgebirge vor uns.

Da der Palazzo Medici Riccardi ja eh auf dem Weg zu unserem Hotel liegt, statten wir auch dem noch einen Besuch ab. Auch er ist sehr prächtig ausgestattet, aber man muss schon sagen: Als die Medici in den Palazzo Pitti umgezogen sind, haben sie sich echt „verbessert“.

Palazzo Medici Riccardi - Garten
Palazzo Medici Riccardi – Garten
Palazzo Medici Riccardi
Palazzo Medici Riccardi

Freitag, 04. März
So, für heute steht die Heimreise an. Diesmal klappt alles bestens; um 22 Uhr sind wir zurück in Home sweet home Schön war’s.

2 thoughts on “Florenz – 29.02.-04.03.2016

  1. Wie immer ein Genuss, dieser Reisebericht. Dass Ihr Euch teilweise überfordert gefühlt habt, kann ich nachvollziehen, mich überfordern ja schon Deine Fotos.;) Übrigens machen wir schon von jeher um Kutteln einen großen Bogen… wohl keine so schlechte Idee… 😉

    LG
    Andrea

    1. Danke, liebe Andrea. Ja, wie geschrieben, kommen auch bei mir Kutteln nicht mehr auf den Teller. Ich wollte die Trippa mal probiert haben, aber nu is auch gut damit. 🙂

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